Ein vollständiges PFAS-Testpanel dauert zwei bis sechs Wochen - und Labore werden vor dem Stichtag 12. August 2026 massiv ausgelastet sein. Wer seine Lieferantenabfragen zu PFAS erst im Frühjahr 2026 startet, riskiert laut Branchenexperten, noch im Herbst nicht-konforme Ware zu vertreiben. Der Engpass liegt dabei nicht nur bei den Tests selbst, sondern vor allem bei der Lieferantenkommunikation: Daten einholen, prüfen, validieren und lückenlos dokumentieren - bei dutzenden oder hunderten Lieferanten gleichzeitig.

Dieser Artikel zeigt, wie Sie die PFAS-bezogene Lieferantenkommunikation strukturiert, effizient und auditfest aufsetzen - und warum Automatisierung den Unterschied zwischen Compliance-Sicherheit und Compliance-Chaos macht.

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Achtung: Kein Bestandsschutz. Verpackungen, die nach dem 12. August 2026 erstmals in der EU in Verkehr gebracht werden, müssen die PFAS-Grenzwerte einhalten - unabhängig vom Herstellungsdatum. Lieferantenabfragen und Laboranalysen sollten daher jetzt beginnen.

Warum PFAS-Compliance eine Lieferanten-Herausforderung ist

Die PPWR (Verordnung (EU) 2025/40) verbietet ab dem 12. August 2026 PFAS oberhalb definierter Grenzwerte in allen Lebensmittelkontaktverpackungen. Die drei maßgeblichen Schwellenwerte lauten: max. 25 ppb für einzelne nicht-polymere PFAS, max. 250 ppb für die Summe nicht-polymerer PFAS und max. 50 ppm für Gesamtfluor (Anthesis Group1Anthesis Group). Entscheidend: Die PPWR unterscheidet nicht zwischen absichtlich zugesetzten und nicht absichtlich vorhandenen PFAS (Anthesis Group1Anthesis Group).

Für Unternehmen bedeutet das: Sie können PFAS-Konformität nicht allein intern sicherstellen. Die relevanten Daten - Materialzusammensetzung, Beschichtungen, Verarbeitungshilfsmittel - liegen bei Ihren Verpackungslieferanten. Genau hier beginnt das Problem:

  • Viele Lieferanten verfügen selbst nicht über vollständige Zusammensetzungsdaten, da sie auf eigene Vorlieferanten angewiesen sind (Certivo2Certivo)
  • Klassische E-Mail-Abfragen führen zu uneinheitlichen Antwortformaten und hohem manuellem Prüfaufwand
  • Ein PFAS-Labortest dauert typischerweise zwei bis sechs Wochen (Lovat Compliance3Lovat Compliance) - Engpässe sind ab Q2 2026 absehbar
  • Eine reine Lieferantenerklärung allein stellt laut EU-Leitlinienentwurf keine Compliance sicher - Laborergebnisse sind erforderlich (Lovat Compliance3Lovat Compliance)

Wer die Details zur PFAS-Dokumentation für Audits vertiefen möchte, findet im Beitrag PFAS-Compliance im Verpackungsmanagement: Dokumentation für PPWR- und REACH-Audits eine umfassende Übersicht.

Was eine belastbare PFAS-Lieferantenabfrage enthalten muss

Eine wirksame PFAS-Abfrage geht weit über die Frage "Enthalten Ihre Produkte PFAS?" hinaus. Für eine auditfeste Dokumentation sollte Ihr standardisierter Fragebogen folgende Punkte adressieren:

  • Explizite PFAS-Aussage je Material/Artikelnummer: Nicht pauschal, sondern zugeordnet zu konkreten Spezifikationen
  • Referenz auf die PPWR-Grenzwerte: 25 ppb (individuell), 250 ppb (Summe), 50 ppm (Gesamtfluor)
  • Angabe zur Prüfmethode: Wurde ein Gesamtfluor-Screening durchgeführt? Liegen gezielte Analyseergebnisse vor?
  • Gültigkeit und Versionierung: Datum der Erklärung, Gültigkeitszeitraum, Hinweis auf Erneuerungspflicht bei Formulierungsänderungen
  • REACH-Compliance-Aussage: Zusätzlich zur PPWR sollten SVHC-Informationspflichten (> 0,1 % Massenanteil) abgedeckt sein

Praxis-Tipp für Einkaufsleiter: Integrieren Sie die PFAS-Abfrage in Ihre reguläre Lieferantenqualifizierung - als festen Bestandteil des Onboarding- und Review-Prozesses.

Fünf Schritte zur strukturierten PFAS-Datenerfassung

Der folgende Prozess hilft Ihnen, die Lieferantenkommunikation von der ersten Abfrage bis zur auditfähigen Dokumentation systematisch aufzusetzen:

1
Verpackungsportfolio segmentieren

Identifizieren Sie alle Lebensmittelkontaktverpackungen in Ihrem Portfolio und priorisieren Sie Hochrisiko-Materialien wie beschichtetes Papier, Karton und Recycling-Fasermaterialien.

2
Standardisierte PFAS-Abfrage an Lieferanten senden

Verwenden Sie strukturierte Fragebögen mit konkreten Referenzen zu PPWR-Grenzwerten (25 ppb individuell, 250 ppb Summe, 50 ppm Gesamtfluor). Fordern Sie explizite Aussagen zur PFAS-Freiheit je Material und Artikelnummer an.

3
Eingehende Daten automatisiert validieren

Prüfen Sie eingehende Lieferantendaten automatisch auf Vollständigkeit, Plausibilität und Konsistenz - z. B. ob alle angeforderten Materialien abgedeckt sind und ob Laborberichte den richtigen Prüfmethoden entsprechen.

4
Lückenanalyse und Eskalation

Identifizieren Sie fehlende oder unvollständige Antworten, setzen Sie automatisierte Erinnerungen und eskalieren Sie systematisch bei Non-Response. Dokumentieren Sie jeden Schritt als Due-Diligence-Nachweis.

5
Ergebnisse zentral dokumentieren und verknüpfen

Verknüpfen Sie PFAS-Erklärungen, Laborberichte und Lieferantendaten direkt mit der jeweiligen Verpackungsspezifikation in einer zentralen Plattform - als Basis für die Konformitätserklärung (DoC).

Manuell vs. automatisiert: Der Effizienzunterschied in der Praxis

Für Unternehmen mit 50 oder mehr Verpackungslieferanten wird die manuelle PFAS-Datenerfassung per E-Mail und Excel schnell zum Ressourcenproblem. Die folgende Gegenüberstellung zeigt, wo automatisierte Lieferantenkommunikation konkrete Vorteile bietet:

KriteriumManuell (E-Mail / Excel)Automatisiert (Plattform)
Abfrage an 50+ Lieferanten senden2-5 Arbeitstage< 1 Stunde
Rücklaufquote nach 4 Wochen30-50 %70-90 %
Vollständigkeitsprüfung je AntwortManuell, fehleranfälligAutomatisch, regelbasiert
Lücken-Eskalation & ErinnerungenIndividuell, uneinheitlichAutomatisch, auditfähig
Verknüpfung mit VerpackungsspezifikationManuell (Copy-Paste)Direkt verknüpft
Audit-Trail / NachweisfähigkeitSchwer nachvollziehbarVollständig dokumentiert

Unternehmen, die auf manuelle Prozesse setzen, erreichen nach vier Wochen typischerweise nur 30-50 % Rücklaufquote bei Lieferantenabfragen - automatisierte Plattformen mit strukturierten Erinnerungen und Self-Service-Portalen steigern diese Quote deutlich.

Wie Packa die PFAS-Lieferantenkommunikation automatisiert

Die Packa-Software für digitales Verpackungsmanagement adressiert genau die Herausforderungen der PFAS-bezogenen Lieferantenkommunikation:

  • Automatisierte Lieferantenabfragen: Sie versenden standardisierte PFAS-Fragebögen direkt aus der Plattform an alle relevanten Lieferanten - mit Fristen, automatischen Erinnerungen und Eskalationsregeln
  • Datenvalidierung in Echtzeit: Eingehende Antworten prüft die Plattform automatisch auf Vollständigkeit und Plausibilität. Fehlende Angaben oder Inkonsistenzen markiert sie sofort
  • Direkte Verknüpfung mit Verpackungsspezifikationen: PFAS-Erklärungen und Laborberichte ordnet die Plattform automatisch der jeweiligen Verpackungsspezifikation zu - als Basis für die PPWR-Konformitätserklärung
  • Lückenanalyse auf Portfolioebene: Sie sehen auf einen Blick, für welche Verpackungen noch PFAS-Nachweise fehlen - und steuern gezielt nach
  • Auditfähiger Dokumentations-Trail: Jeder Kommunikationsschritt wird protokolliert - vom Versand über Erinnerungen bis zur finalen Validierung

Wer sich einen umfassenden Überblick über das PFAS-Verbot und seine Auswirkungen auf Lebensmittelverpackungen verschaffen möchte, findet im Beitrag PFAS in Lebensmittelverpackungen: Was das EU-PFAS-Verbot 2026 bedeutet die relevanten Hintergründe.

Ihre nächsten Schritte: Jetzt handeln statt im Sommer reagieren

Die meisten Lebensmittelunternehmen benötigen vier bis neun Monate, um einen nicht-konformen Lieferanten zu ersetzen - inklusive Materialtests, Artwork-Aktualisierung und Bestandsbereinigung (Lovat Compliance3Lovat Compliance). Das bedeutet: Wer heute startet, hat noch Zeit für einen geordneten Umstellungsprozess. Wer wartet, riskiert Marktausschlüsse.

Drei konkrete Handlungsempfehlungen:

  1. Sofort: Identifizieren Sie alle Lebensmittelkontaktverpackungen in Ihrem Portfolio und priorisieren Sie Hochrisiko-Formate (beschichtete Papiere, Karton mit Recyclingfaseranteil, Fast-Food-Verpackungen)
  2. Innerhalb von 4 Wochen: Versenden Sie standardisierte PFAS-Abfragen an alle betroffenen Lieferanten - idealerweise über eine zentrale Plattform mit automatischer Nachverfolgung
  3. Laufend: Validieren Sie eingehende Daten, fordern Sie fehlende Laborberichte an und verknüpfen Sie alle Nachweise mit Ihren Verpackungsspezifikationen als Grundlage für die Konformitätserklärung

Die kostenlose PPWR-Checkliste hilft Ihnen, den aktuellen Compliance-Status Ihres Portfolios schnell einzuschätzen.

Häufig gestellte Fragen

help_outlineWelche PFAS-Grenzwerte gelten ab August 2026 für Lebensmittelverpackungen?expand_more

Die PPWR setzt drei Grenzwerte: max. 25 ppb für einzelne nicht-polymere PFAS (gezielte Analyse), max. 250 ppb für die Summe nicht-polymerer PFAS (gezielte Analyse) und max. 50 ppm für Gesamtfluor. Überschreitet der Gesamtfluor 50 ppm, muss der Lieferant nachweisen, wie viel davon auf PFAS zurückzuführen ist.

help_outlineReicht eine Lieferantenerklärung allein für die PFAS-Compliance?expand_more

Nein. Laut EU-Leitlinienentwurf sind Laborergebnisse erforderlich - eine reine Lieferantenerklärung stellt keine Compliance sicher. Idealerweise kombinieren Sie die Erklärung mit Gesamtfluor-Tests und bei Bedarf gezielten PFAS-Analysen.

help_outlineWie lange dauert ein PFAS-Laborbericht typischerweise?expand_more

Ein vollständiges PFAS-Testpanel dauert in der Regel zwei bis sechs Wochen. Planen Sie diese Vorlaufzeit in Ihre Lieferantenabfrage ein - insbesondere, da Labore vor der August-2026-Deadline stark ausgelastet sein werden.

help_outlineWas passiert, wenn ein Lieferant nicht auf die PFAS-Abfrage antwortet?expand_more

Dokumentieren Sie jeden Kontaktversuch sorgfältig (Datum, Kanal, Inhalt). Fehlende Antworten zeigen eine Datenlücke auf, die ein Compliance-Risiko darstellt. Automatisierte Eskalationsprozesse mit Fristen erhöhen die Rücklaufquote und dienen gleichzeitig als Due-Diligence-Nachweis.