Zwei Regulierungsziele, eine Datenbasis - das ist die zentrale strategische Chance, die viele Unternehmen noch nicht nutzen. Ab dem 12. August 2026 verbietet PPWR Artikel 5 PFAS in Lebensmittelkontaktverpackungen oberhalb definierter Grenzwerte - gleichzeitig rückt der Digitale Produktpass (DPP) als nächste große EU-Pflicht in den Fokus. Wer diese beiden Anforderungen isoliert betrachtet, verschenkt erhebliches Effizienzpotenzial. Denn: Die Daten, die Sie heute für die PFAS-Compliance erheben, sind exakt die Daten, die Sie morgen für den DPP benötigen.

Dieser Artikel zeigt Ihnen, wie Sie beide Regulierungsziele mit einer gemeinsamen Dateninfrastruktur angehen - und wie digitales Verpackungsmanagement dabei den entscheidenden Unterschied macht.


Warum PFAS und DPP dieselbe Datenbasis teilen

Auf den ersten Blick wirken PFAS-Compliance und Digitaler Produktpass wie zwei völlig separate Themen. Bei genauerer Betrachtung teilen sie jedoch einen gemeinsamen Kern: strukturierte, vollständige und rückverfolgbare Produktdaten auf Artikelebene.

Wo ein verpacktes Produkt einen Digitalen Produktpass erfordert - etwa unter der ESPR -, sollten die Verpackungsdaten im DPP enthalten sein. Konkret bedeutet das: PFAS-Nachweise, Materialzusammensetzung und Substanzdaten aus Ihrer PPWR-Compliance-Vorbereitung fließen direkt in den DPP ein.

Artikel 12 der PPWR sieht den Einsatz digitaler Kennzeichnungstechnologie vor - ab dem 1. Januar 2030 wird diese Technologie verpflichtend, um den Gehalt an Substances of Concern (SoC) in Verpackungen zu kennzeichnen.

PFAS sind in diesem Kontext explizit als Substances of Concern klassifiziert. Artikel 5 der PPWR verpflichtet die Kommission, Maßnahmen zu Substances of Concern zu prüfen. Hersteller und Nutzer von Nicht-Lebensmittelverpackungen sollten beachten, dass bestimmte PFAS als SoC eingestuft sind und künftig weiteren Einschränkungen unterliegen können.


Was der DPP im Verpackungskontext erfordert

Der Digitale Produktpass ist ein strukturierter, maschinenlesbarer Datensatz, der Nachhaltigkeits- und Compliance-Informationen über den gesamten Produktlebenszyklus zugänglich macht. Er ist über einen Datenträger - typischerweise einen QR-Code - direkt am Produkt oder auf seiner Verpackung abrufbar und ersetzt dezentrale Tabellenkalkulationen, Lieferanten-PDFs und unstrukturierte Dokumente durch eine einzige, verifizierbare Quelle.

Der DPP wurde durch die Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR) eingeführt und dient als digitales Instrument zur Sicherstellung von Rückverfolgbarkeit und Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Jeder DPP ist mit einer eindeutigen Produktkennung verknüpft und ermöglicht die Rückverfolgung vom Hersteller bis zum Lebenszyklusende.

Für Verpackungsverantwortliche im FMCG-Bereich bedeutet das:

  • Materialzusammensetzung aller Komponenten inkl. Beschichtungen, Klebstoffe und Additive
  • Substances of Concern mit Konzentrationsangaben (dazu zählen PFAS)
  • Recyclingfähigkeit und Rezyklat-Anteile auf Artikelebene
  • Nachweise, Zertifikate und Prüfberichte als verknüpfte Dokumente
  • Eindeutige Produktidentifikation für die Rückverfolgbarkeit

Unternehmen müssen zuverlässige produktbezogene Daten bereitstellen, die Materialzusammensetzung, Substances of Concern, Umweltleistungsmerkmale, Haltbarkeitseigenschaften und End-of-Life-Informationen abdecken. Diese Informationen müssen strukturiert, präzise und gemäß den Interoperabilitätsanforderungen des ESPR-Rahmens digital zugänglich sein.

PFAS-Compliance vs. Digitaler Produktpass: Welche Daten dienen beiden Zielen?
DatenpunktPPWR / PFAS-ComplianceDigitaler Produktpass (DPP)
Materialzusammensetzung je Komponente✅ Pflicht (Nachweis PFAS-Freiheit)✅ Pflicht (Substanzdaten)
PFAS-Konzentrationswerte (25 / 250 ppb)✅ Grenzwertprüfung ab 12.8.2026✅ Substances of Concern (SoC)
Lieferantenerklärungen & Prüfberichte✅ Technische Dokumentation für DoC✅ Nachweise für Registrierung
Recyclingfähigkeit & Rezyklat-Anteile✅ PPWR Artikel 6 & 7✅ Umweltleistungsdaten
Eindeutige Verpackungsidentifikation✅ Rückverfolgbarkeit DoC✅ Produktkennung (QR-Code)
Beschichtungen, Klebstoffe, Additive✅ Substanzprüfung PFAS✅ Substances of Concern
Versionshistorie & Audit-Trail✅ Auditfähige Dokumentation✅ Aktualisierungspflicht


Der DPP-Rollout: Was FMCG-Unternehmen jetzt wissen müssen

Die Kommission muss technische Spezifikationen festlegen und bis Juli 2026 ein zentrales DPP-Register schaffen, das Durchsetzung, Zollkontrollen und Marktüberwachung erleichtert.

Der Rollout erfolgt stufenweise:

  • 2026: Eisen- und Stahlprodukte als erste DPP-pflichtige Kategorie
  • 2027: Aluminium, Textilien und Reifen; ab dem 18. Februar 2027 werden Batteriepässe für alle Traktions- und Industriebatterien über 2 kWh verpflichtend
  • 2028-2030: Schrittweise Integration von Verpackungen und FMCG-Kategorien

Unternehmen sollten ihre PPWR-Compliance im Zusammenhang mit verwandten EU-Rahmenwerken prüfen - darunter der kommende Digitale Produktpass und die Richtlinie über umweltbezogene Angaben.

Für FMCG-Verpackungen sind verpflichtende DPP-Anforderungen frühestens ab 2028-2030 zu erwarten. Wer jetzt seine Verpackungsdaten strukturiert, ist nicht nur PPWR-ready, sondern legt gleichzeitig das Fundament für eine reibungslose DPP-Einführung.


In 5 Schritten zur integrierten PFAS- und DPP-Datenbasis

Die gute Nachricht: Sie müssen keine zwei parallelen Datenprojekte aufsetzen. PFAS-Compliance und DPP-Vorbereitung lassen sich mit einer gemeinsamen Vorgehensweise effizient verbinden.

1
Verpackungsportfolio auf PFAS-Risiken prüfen

Identifizieren Sie alle Verpackungskomponenten mit potenzieller PFAS-Exposition: Beschichtungen, Klebstoffe, Barriereschichten, Lebensmittelkontaktmaterialien. Priorisieren Sie Verpackungen mit fett- oder feuchtigkeitsabweisenden Eigenschaften.

2
PFAS-Daten strukturiert und zentral erfassen

Erheben Sie Materialspezifikationen, Totalfluorwerte und Lieferantenerklärungen in einem zentralen digitalen System - nicht in dezentralen Excel-Tabellen. Diese Datenbasis ist gleichzeitig die Grundlage für Ihren DPP.

3
Lieferantenkommunikation automatisieren

Fordern Sie systematisch PFAS-Nachweise und Prüfberichte bei allen relevanten Lieferanten an. Digitale Verpackungsmanagement-Plattformen wie Packa automatisieren diese Abfragen und validieren die eingegangenen Daten.

4
PPWR-DoC mit PFAS-Nachweis erstellen

Erstellen Sie die Konformitätserklärung (DoC) gemäß PPWR - sie bestätigt die PFAS-Compliance und bildet gleichzeitig den technischen Kern der späteren DPP-Dokumentation.

5
Datensätze DPP-tauglich aufbereiten

Stellen Sie sicher, dass Ihre Verpackungsdaten maschinenlesbar, eindeutig identifizierbar und regulär aktualisierbar sind. Strukturierte Daten aus Schritt 2 und 4 können direkt in DPP-konforme Formate überführt werden.


Wo Unternehmen heute typischerweise scheitern

Die Realität: Die meisten Unternehmen verfügen noch nicht über Nachhaltigkeitsdaten in einem strukturierten, maschinenlesbaren und interoperablen Format. Stattdessen stützen sie sich auf verstreute Lieferantendokumente, Ad-hoc-Lebenszyklusanalysen, manuelle Prozesse und statische Produktberichte.

Die Konsequenz für die PFAS-Compliance ist konkret: Die PPWR setzt drei PFAS-Grenzwerte für Lebensmittelkontaktverpackungen fest: 25 ppb für einzelne nicht-polymere PFAS, 250 ppb für die Gesamtsumme aller nicht-polymeren PFAS - und wer diese Grenzwerte nicht nachweisen kann, riskiert ab dem 12. August 2026 den Marktzugang.

Typische Datenlücken, die Packa-Kunden beim Onboarding identifizieren:

  • Fehlende Substanzinformationen bei Beschichtungen und Laminaten: Lieferanten liefern oft nur allgemeine Materialangaben, aber keine PFAS-spezifischen Erklärungen
  • Dezentrale Dokumentation: PFAS-Prüfberichte liegen in verschiedenen Abteilungen - ohne zentralen Zugriff
  • Kein strukturiertes Datenformat: Informationen in PDFs und E-Mails - nicht maschinenlesbar und damit nicht DPP-tauglich
  • Lückenhafte Versionierung: Keine Nachvollziehbarkeit, welche Spezifikation zu welchem Zeitpunkt gültig war

Viele Unternehmen verfügen noch nicht über verlässliche Daten zu Materialzusammensetzung, Rezyklat-Anteilen oder Chemikalien. Hinzu kommt die Komplexität globaler Lieferketten: Lieferanten verteilen sich über viele Regionen - mit unterschiedlicher Datenreife und Kenntnis regulatorischer Anforderungen.

Prüfen Sie jetzt mit dem interaktiven Tool unten, wie gut Ihre Verpackungsdaten tatsächlich aufgestellt sind:


Wie Packa PFAS-Compliance und DPP-Vorbereitung verbindet

Die Packa-Plattform für digitales Verpackungsmanagement bedient beide Regulierungsziele mit einer zentralen Datenbasis. Konkret unterstützt Packa dabei:

PFAS-Compliance heute:

  • KI-gestützte Digitalisierung bestehender Verpackungsspezifikationen (aus Excel, PDF, ERP-Exporten)
  • Automatisierte Lieferantenanfragen für PFAS-Erklärungen und Prüfberichte
  • Datenlückenanalyse: Packa identifiziert typischerweise 30-70 % fehlende Substanzdaten im ersten Schritt
  • Automatisierter Compliance-Check gegen PPWR-Grenzwerte und DoC-Erstellung

DPP-Vorbereitung morgen:

  • Alle erfassten Daten sind strukturiert, versioniert und eindeutig einer Verpackungs-ID zugeordnet
  • Maschinenlesbare Datenformate ermöglichen die spätere Überführung in DPP-konforme Strukturen
  • Auditfähige Dokumentation: vollständiger Nachweis-Trail für Substanzdaten und Lieferantenerklärungen
  • Zentrales Datenmanagement statt verteilter Fileserver und E-Mail-Ketten

Die Verbindung zur PPWR-Konformitätserklärung ist besonders wichtig: Verpackungen müssen ein Konformitätsbewertungsverfahren durchlaufen und eine EU-Konformitätserklärung erhalten, die bestätigt, dass die Verpackung Nachhaltigkeitsanforderungen erfüllt - einschließlich der Verwendung bestimmter Substanzen wie PFAS. Diese DoC-Dokumentation bildet zugleich den technischen Kern des späteren DPP.

Mehr zur Verbindung zwischen DoC und DPP lesen Sie in unserem Artikel PPWR-Ready: Wie digitale Produktpässe und DoC-Templates Verpackungscompliance beschleunigen.


Fazit: Regulatorische Konvergenz als strategische Chance

PFAS-Compliance und Digitaler Produktpass sind keine konkurrierenden Prioritäten - sie sind zwei Seiten derselben Datenmünze. Unternehmen, die jetzt in strukturiertes digitales Verpackungsmanagement investieren, lösen nicht nur das unmittelbare PPWR-Problem ab August 2026. Sie bauen gleichzeitig die Infrastruktur auf, die für den DPP ab 2028-2030 verpflichtend wird.

Die Frage ist nicht, ob Sie beides tun müssen - sondern ob Sie es einmal oder zweimal tun.

Wer heute PFAS-Daten dezentral in PDFs und Excel-Listen verwaltet, wird diese Arbeit für den DPP erneut leisten müssen. Wer heute strukturiert, digital und zentral arbeitet, spart morgen erheblichen Aufwand - und sichert gleichzeitig Marktzugang, Compliance-Sicherheit und Verhandlungsstärke gegenüber Lieferanten.

Wie weit Ihre PPWR-Vorbereitung bereits vorangeschritten ist und wo konkrete PFAS-Datenlücken bestehen, prüfen Sie mit Packa systematisch - bevor August 2026 zum Problem wird.


help_outlineAb wann gilt das PFAS-Verbot für Lebensmittelkontaktverpackungen in der EU?expand_more

Das PFAS-Verbot für Lebensmittelkontaktverpackungen tritt gemäß PPWR Artikel 5 am 12. August 2026 in Kraft. Ab diesem Datum dürfen in der EU keine Lebensmittelkontaktverpackungen in Verkehr gebracht werden, die PFAS oberhalb der definierten Grenzwerte enthalten (25 ppb für einzelne nicht-polymere PFAS, 250 ppb für die Gesamtsumme).

help_outlineWas sind Substances of Concern (SoC) im Kontext des DPP?expand_more

Substances of Concern (Stoffe mit besonders besorgniserregenden Eigenschaften) sind im DPP-Rahmen der ESPR definierte Chemikalien, die im Digitalen Produktpass offengelegt werden müssen. PFAS zählen zu den SoC unter der PPWR (Art. 5 verweist auf die ESPR-Definition). Wer PFAS-Daten heute für die PPWR-Compliance erfasst, baut gleichzeitig die SoC-Dokumentation für den DPP auf.

help_outlineBis wann müssen Verpackungsunternehmen einen Digitalen Produktpass bereitstellen?expand_more

Der DPP-Rollout erfolgt stufenweise gemäß dem ESPR-Arbeitsplan 2025-2030. Die ersten Pflicht-DPPs gelten ab 2026 für Eisen- und Stahlprodukte, ab 2027 für Textilien und Aluminium. Für FMCG-Verpackungen werden Anforderungen frühestens ab 2028-2030 erwartet. Unternehmen, die jetzt ihre Verpackungsdaten strukturieren, sind frühzeitig DPP-ready.

help_outlineWelche Daten brauche ich für PFAS-Compliance UND den DPP?expand_more

Beide Regulierungsziele teilen dieselbe Datenbasis: vollständige Materialspezifikationen inkl. Beschichtungen und Additive, PFAS-Konzentrationsnachweise, Lieferantenerklärungen, Prüfberichte und eindeutige Produktidentifikation. Wer diese Daten zentral und strukturiert erfasst, erfüllt beide Anforderungen mit einer einzigen Dateninfrastruktur.

help_outlineWie unterstützt Packa bei der Integration von PFAS-Compliance und DPP-Vorbereitung?expand_more

Die Packa-Plattform digitalisiert und zentralisiert Verpackungsspezifikationen, automatisiert die Lieferantenkommunikation für PFAS-Nachweise und erstellt auditfähige Dokumentation. Alle erfassten Daten sind strukturiert, versioniert und maschinenlesbar - genau die Qualität, die der DPP später erfordert.