Die Kosten für biobasierte PFAS-Alternativbeschichtungen liegen zwischen 0,015 und 0,98 USD pro m² - gegenüber nur 0,00012 USD pro m² für PFAS-Behandlungen. Trotzdem führt kein Weg daran vorbei: Ab dem 12. August 2026 dürfen Lebensmittelkontaktverpackungen mit PFAS oberhalb der PPWR-Grenzwerte nicht mehr in der EU in Verkehr gebracht werden - ohne Übergangsfrist für Lagerbestände1ohne Übergangsfrist für Lagerbestände. Die eigentliche Herausforderung ist nicht das Verbot selbst, sondern die systematische Bewertung, welche PFAS-Alternative für welches Verpackungsformat tatsächlich funktioniert - technisch, wirtschaftlich und regulatorisch.

Dieser Artikel zeigt, wie Sie den Materialbewertungsprozess mit strukturierten Verpackungsdaten systematisieren und welche PFAS-freien Materialien für FMCG-Verpackungen heute verfügbar sind.

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Ab dem 12. August 2026 dürfen Lebensmittelkontaktverpackungen mit PFAS oberhalb der PPWR-Grenzwerte (25 ppb Einzelsubstanz, 250 ppb Summe, 50 ppm inkl. polymerer PFAS) nicht mehr in der EU in Verkehr gebracht werden. Es gibt keine Übergangsfrist für Lagerbestände.

Warum die Suche nach PFAS-Alternativen eine Datenherausforderung ist

PFAS kommen seit den 1950er-Jahren in Verpackungen zum Einsatz, um Fett- und Wasserresistenz zu erzeugen - von Burger-Wrappern über Pizzakartons bis zu Mikrowellen-Popcornbeuteln2von Burger-Wrappern über Pizzakartons bis zu Mikrowellen-Popcornbeuteln. Die Umstellung betrifft daher nicht eine einzelne Produktlinie, sondern potenziell hunderte Verpackungsspezifikationen in Ihrem Portfolio.

Die zentrale Schwierigkeit: Sie können nur ersetzen, was Sie kennen. Genau hier scheitern viele Unternehmen. Typischerweise fehlen bei 30-70 % der Verpackungsspezifikationen detaillierte Angaben zu Beschichtungen, Klebstoffen und Barriereschichten. Ohne diese Daten ist eine fundierte Materialbewertung schlicht unmöglich.

Wer PFAS-Alternativen nicht auf Basis vollständiger Materialspezifikationen bewertet, riskiert:

  • Fehlsubstitution - das neue Material erfüllt die funktionalen Anforderungen nicht
  • Regrettable Substitution - der PFAS-Ersatz ist selbst regulatorisch problematisch
  • Kostenexplosion - ohne systematischen Vergleich werden Alternativen überdimensioniert
  • Compliance-Lücken - unvollständige Dokumentation macht die Umstellung nicht auditfest

Welche PFAS-Alternativen stehen für Verpackungen zur Verfügung?

Die gute Nachricht: Große Unternehmen aus der Zellstoff-, Papier- und Textilindustrie haben bereits gezeigt, dass die großflächige Einführung PFAS-freier Technologien machbar ist, ohne wesentliche Produktperformance einzubüßen - so eine aktuelle Studie in Resources, Conservation and Recycling3aktuelle Studie in Resources, Conservation and Recycling. Für Verpackungsverantwortliche lohnt sich ein Blick auf die vier wichtigsten Materialkategorien.

Biobasierte Beschichtungen

Materialien auf Basis von Cellulose-Derivaten, Kasein oder Stärke ersetzen PFAS vor allem in faserbasierter Verpackung. Das EU-geförderte ZeroF-Projekt4EU-geförderte ZeroF-Projekt entwickelt seit 2023 mit 12 Forschungspartnern aus 9 Ländern sichere, nachhaltige Barrierebeschichtungen auf Basis nachwachsender Rohstoffe. Auch das französische Unternehmen Lactips bietet bereits eine kunststoff- und PFAS-freie Papierbeschichtung an, die Barriereeigenschaften gegen Sauerstoff, Fette und Mineralöle vereint.

Stärke: Gute Fettbarriere, vollständig recyclingfähig, höhere Kosten als PFAS-Behandlung.

Silikonbasierte und Plasma-Beschichtungen

Das Plasreco-Projekt entwickelt silikonbasierte funktionale Beschichtungen, die mittels Atmosphärendruck-Plasma als nachhaltige PFAS-Alternative aufgebracht werden - mit nanometrischen Schichtdicken und reduziertem Chemikalienverbrauch5mit nanometrischen Schichtdicken und reduziertem Chemikalienverbrauch. Das Fraunhofer ISC forscht ebenfalls an Organosilikon-basierten Beschichtungen (ORMOCER®), die wasser- und fettabweisende Eigenschaften liefern.

Stärke: Hohe Barriere-Performance, gute Temperaturbeständigkeit, teilweise noch in der Skalierungsphase.

Wachsbasierte Barrieren

Natürliche Wachse bieten eine etablierte, PFAS-freie Feuchtigkeitsbarriere - besonders für Karton und Wellpappe. Die Fettbarriere-Leistung ist jedoch begrenzt, was den Einsatz auf bestimmte Anwendungen einschränkt.

PLA-/PHA-basierte Beschichtungen

Biologisch abbaubare Polymere wie PLA (Polymilchsäure) oder PHA (Polyhydroxyalkanoate) dienen als PFAS-freie Barrierebeschichtungen. Sie bieten eine gute Feuchtigkeits- und moderate Fettbarriere und sind kompostierbar zertifizierbar.

Vergleich: PFAS vs. Alternativmaterialien im Überblick

KriteriumPFAS-basierte BeschichtungenBiobasierte BarrierenSilikonbasierte BeschichtungenWachsbasierte Coatings
FettbarriereSehr hochMittel-HochHochMittel
FeuchtigkeitsbarriereSehr hochMittelHochHoch
TemperaturbeständigkeitSehr hochMittelHochNiedrig-Mittel
RecyclingfähigkeitProblematischGutGut-Sehr gutGut
PPWR-Compliance 2026Nicht konform (über Grenzwert)KonformKonformKonform
Kosten (relativ)Sehr niedrigHöherMittel-HochMittel
MarktreifeAuslaufendFortgeschrittenPilotphase-MarktreifeEtabliert

Wichtig: PFAS liefern in Verpackungen häufig eine Barriere-Performance, die über die funktionalen Anforderungen hinausgeht - insbesondere bei Einweganwendungen. Bewerten Sie Alternativen daher anhand der tatsächlich benötigten Leistung - nicht am PFAS-Benchmark.

Interaktiver PFAS-Alternativ-Finder

Nutzen Sie den PFAS-Alternativ-Finder für eine erste Einschätzung, welche Ersatzmaterialien für Ihre spezifische Verpackungsanwendung in Frage kommen:

In 5 Schritten zur datenbasierten Materialbewertung

Die Suche nach der passenden PFAS-Alternative ist kein einmaliges Projekt, sondern ein strukturierter Prozess. Die folgende Vorgehensweise verbindet Risikobewertung, Lieferantenintegration und Dokumentation:

1
Verpackungsportfolio auf PFAS-Risiko scannen

Erstellen Sie eine erweiterte Materialliste aller Lebensmittelkontaktverpackungen - inklusive Beschichtungen, Klebstoffe und Laminate. Identifizieren Sie Formate mit bekanntem PFAS-Einsatz wie fettabweisende Papiere, beschichtete Kartons oder Molded-Fiber-Verpackungen.

2
Lieferantendaten strukturiert erfassen

Fordern Sie von Lieferanten detaillierte Materialzusammensetzungen an: Substrat, Einzelschichten, Barriere-Komponenten und deren chemische Basis. Nutzen Sie standardisierte Fragebögen und digitale Erfassungstools statt E-Mail-Anfragen.

3
Alternativen systematisch bewerten

Vergleichen Sie PFAS-freie Materialien anhand Ihrer spezifischen Anforderungen: Barriereeigenschaften, Temperaturbeständigkeit, Recyclingfähigkeit, Kosten und Skalierbarkeit. Dokumentieren Sie die Bewertung je Verpackungsformat nachvollziehbar.

4
Testergebnisse zentral dokumentieren

Laboranalysen, Lieferantenerklärungen und Konformitätsbewertungen werden je Verpackungsspezifikation zentral abgelegt. Stellen Sie sicher, dass jede Materialalternative eine vollständige Nachweiskette hat.

5
Umstellung priorisieren und skalieren

Beginnen Sie mit den Verpackungen mit dem höchsten PFAS-Risiko und den einfachsten Substitutionsmöglichkeiten. Planen Sie ausreichend Vorlaufzeit für Materialqualifizierung, Lieferantenumstellung und Lagerbestandsabbau ein.

Warum strukturierte Daten den Unterschied machen

Ohne zentrale, strukturierte Verpackungsdaten bleibt die Materialbewertung ein manueller, fehleranfälliger Prozess. In der Praxis heißt das:

  • Einkaufsteams arbeiten mit unvollständigen Lieferanteninformationen und können PFAS-Risiken nicht systematisch identifizieren
  • Verpackungsentwickler vergleichen Alternativen ohne einheitliche Bewertungskriterien
  • Compliance-Verantwortliche können keine vollständige Nachweiskette aufbauen

Ein digitales Verpackungsmanagement löst diese Probleme, indem es Materialspezifikationen, Lieferantendaten und Testergebnisse in einer zentralen Plattform zusammenführt. So identifizieren Sie automatisch, welche Verpackungen PFAS-Risiken tragen, welche Lieferanten bereits PFAS-freie Alternativen liefern und wo gezielte Labortests nötig sind.

Einen tieferen Einblick in die regulatorischen Anforderungen an PFAS-Dokumentation bietet unser Beitrag zur PFAS-Compliance im Verpackungsmanagement. Und wenn Sie Ihr gesamtes Verpackungsportfolio auf PPWR-Konformität prüfen möchten, hilft Ihnen die PPWR-Checkliste als Sofort-Check.

Worauf es bei der Alternativbewertung wirklich ankommt

Performance an der tatsächlichen Anwendung messen

Ein Pizzakarton benötigt eine andere Fettbarriere als eine Tiefkühlverpackung. Bewerten Sie PFAS-Alternativen immer anhand der tatsächlich benötigten Barriere-Performance - nicht an der maximalen PFAS-Leistung. Wie Forscherinnen am Fraunhofer ISC betonen: Für viele Anwendungsfelder, in denen nur ein oder zwei Schlüsseleigenschaften gefragt sind, gibt es bereits jetzt gute und kurzfristig einsetzbare Lösungen6gibt es bereits jetzt gute und kurzfristig einsetzbare Lösungen.

Kostenbetrachtung erweitern

Die direkten Kosten biobasierter Alternativbeschichtungen sind höher als PFAS-Behandlungen - doch PFAS-bezogene Haftungsrisiken haben allein in der faserbasierten Industrie bereits 54 Millionen USD überschritten. Eine vollständige Total-Cost-Betrachtung berücksichtigt auch:

  • EPR-Gebühren und Ökomodulation (PFAS-freie Materialien können günstigere EPR-Gebühren ermöglichen)
  • Risiko von Bußgeldern und Marktausschlüssen bei Non-Compliance
  • Reputationskosten bei Verbrauchern und Handelspartnern

Recyclingfähigkeit mitdenken

PFAS-Alternativen wirken sich direkt auf die Recyclingfähigkeit Ihrer Verpackung aus - und damit auf die PPWR-Recyclingfähigkeitsbewertung, die ab 2030 verpflichtend wird. Wählen Sie idealerweise Ersatzmaterialien, die nicht nur PFAS-konform sind, sondern gleichzeitig die Recyclingstrom-Kompatibilität verbessern.

PFAS-Risiken im Portfolio erkennen: Die Rolle von Packa

Wer sein gesamtes Verpackungsportfolio auf PFAS-Risiken prüfen möchte, braucht eine Datenbasis, die über Excel-Listen hinausgeht. Die Packa-Software unterstützt den Materialbewertungsprozess durch:

  • KI-gestützte Spezifikationsdigitalisierung: Bestehende Verpackungsdaten aus PDFs, Excel-Dateien und ERP-Exporten werden strukturiert erfasst - inklusive Beschichtungen und Barriereschichten
  • Datenlückenanalyse: Packa identifiziert automatisch fehlende Materialinformationen und priorisiert gezielte Lieferantenanfragen
  • Automatisierte Lieferantenkommunikation: Standardisierte Abfragen zu PFAS-Status, Materialzusammensetzung und Testergebnissen steuern Sie direkt über die Plattform
  • Zentrale Dokumentation: Alle Testergebnisse, Lieferantenerklärungen und Bewertungen werden versioniert und auditfest dokumentiert

So schaffen Sie die Datengrundlage, um PFAS-Alternativen nicht nur zu identifizieren, sondern fundiert zu bewerten und die Umstellung nachweisbar zu dokumentieren. Einen Überblick über alle Handlungsfelder bietet der Beitrag PFAS-Verbot 2026: Was Marken jetzt tun müssen.

Häufig gestellte Fragen

help_outlineWelche PFAS-Grenzwerte gelten ab August 2026 für Lebensmittelverpackungen?expand_more

Die PPWR legt drei Grenzwerte fest: maximal 25 ppb für einzelne PFAS (gezielt gemessen, polymere PFAS ausgenommen), 250 ppb für die Summe gezielt gemessener PFAS und 50 ppm für PFAS einschließlich polymerer PFAS. Bei einem Gesamtfluorgehalt über 50 mg/kg muss ein Herkunftsnachweis erbracht werden.

help_outlineWelche PFAS-Alternativen sind für Lebensmittelverpackungen am weitesten entwickelt?expand_more

Biobasierte Beschichtungen (z. B. Cellulose-Derivate, Kasein-basiert), silikonbasierte Coatings und wachsbasierte Barrieren sind die am weitesten entwickelten Alternativen. Große Unternehmen haben bereits gezeigt, dass eine Umstellung im industriellen Maßstab möglich ist, ohne wesentliche Performance-Einbußen hinnehmen zu müssen.

help_outlineWie helfen strukturierte Verpackungsdaten bei der Materialbewertung?expand_more

Strukturierte Daten ermöglichen es, PFAS-Risiken je Verpackungsspezifikation automatisch zu identifizieren, Lieferanteninformationen systematisch zu erfassen und Alternativmaterialien anhand definierter Kriterien (Barriere, Kosten, Recyclingfähigkeit) zu vergleichen. Ohne zentrale Datenbasis arbeiten Teams mit Lücken, Doppelarbeit und unvollständigen Nachweisen.

help_outlineReicht eine Lieferantenerklärung für die PFAS-Compliance aus?expand_more

Nein. Die PPWR-Grenzwerte basieren auf analytischen Nachweisgrenzen. Laborergebnisse sind erforderlich - eine Lieferantenerklärung allein stellt keine Compliance sicher. Allerdings ist die strukturierte Erfassung von Lieferantenerklärungen ein wichtiger erster Schritt, um Risiken zu priorisieren und gezielte Tests auszulösen.

Fazit: Datenbasiert statt reaktiv - so gelingt die Materialumstellung

Die Suche nach der passenden PFAS-Alternative ist keine rein technische Frage - sie ist ein datengetriebener Entscheidungsprozess. Unternehmen, die heute ihre Verpackungsdaten strukturieren, Lieferanteninformationen systematisch erfassen und Alternativmaterialien anhand klarer Kriterien bewerten, schaffen nicht nur regulatorische Sicherheit bis August 2026, sondern gewinnen einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil durch Transparenz, Effizienz und bessere Risiko- & Kostenkontrolle im Verpackungsportfolio.

Ihr nächster Schritt: Prüfen Sie, wie viele Ihrer Lebensmittelkontaktverpackungen heute vollständige Materialdaten inklusive Beschichtungsinformationen aufweisen. Liegt die Antwort unter 80 %, starten Sie jetzt mit der strukturierten Datenerfassung - bevor die Frist im August 2026 keine Zeit mehr für fundierte Materialentscheidungen lässt. Unsere kostenlosen Verpackungs-Webinare bieten praxisnahe Einblicke in den digitalen Einstieg.