PAP 20 auf dem Versandkarton, C/PAP 81 auf dem Kaffeebecher, PET 1 auf der Flasche: Die kleinen Codes auf Verpackungen geben an, aus welchem Material eine Verpackung besteht. Für Verbraucher sind sie oft rätselhaft, für Verpackungsverantwortliche werfen sie praktische Fragen auf: Muss man sie aufdrucken? Welche Codes sind zulässig? Und was passiert, wenn die EU-Verpackungsverordnung (PPWR) eine einheitliche Kennzeichnung einführt?
Dieser Beitrag erklärt das System hinter den Codes, enthält die vollständige Code-Tabelle und zeigt, was sich bis 2028 ändert.
Woher die Codes kommen
Grundlage ist die Entscheidung 97/129/EG der EU-Kommission vom 28. Januar 1997. Sie legt ein einheitliches Kennzeichnungssystem für Verpackungsmaterialien fest: eine Nummer und eine Abkürzung je Material EUR-Lex, Entscheidung 97/129/EG. Die Nummernkreise sind nach Materialgruppen geordnet:
- 1 bis 19: Kunststoffe
- 20 bis 39: Papier und Pappe
- 40 bis 49: Metalle
- 50 bis 59: Holz
- 60 bis 69: Textilien
- 70 bis 79: Glas
- 80 bis 99: Verbundmaterialien
Die vollständige Code-Tabelle
| Code | Material | Gruppe |
|---|---|---|
| PET 1 | Polyethylenterephthalat | Kunststoff |
| HDPE 2 | Polyethylen hoher Dichte | Kunststoff |
| PVC 3 | Polyvinylchlorid | Kunststoff |
| LDPE 4 | Polyethylen niedriger Dichte | Kunststoff |
| PP 5 | Polypropylen | Kunststoff |
| PS 6 | Polystyrol | Kunststoff |
| PAP 20 | Wellpappe | Papier und Pappe |
| PAP 21 | Sonstige Pappe | Papier und Pappe |
| PAP 22 | Papier | Papier und Pappe |
| FE 40 | Stahl | Metall |
| ALU 41 | Aluminium | Metall |
| FOR 50 | Holz | Holz |
| FOR 51 | Kork | Holz |
| TEX 60 | Baumwolle | Textil |
| TEX 61 | Jute | Textil |
| GL 70 | Farbloses Glas | Glas |
| GL 71 | Grünes Glas | Glas |
| GL 72 | Braunes Glas | Glas |
| C/… 80 | Papier und Pappe / verschiedene Metalle | Verbund |
| C/… 81 | Papier und Pappe / Kunststoff | Verbund |
| C/… 82 | Papier und Pappe / Aluminium | Verbund |
| C/… 83 | Papier und Pappe / Weißblech | Verbund |
| C/… 84 | Papier und Pappe / Kunststoff / Aluminium | Verbund |
| C/… 85 | Papier und Pappe / Kunststoff / Aluminium / Weißblech | Verbund |
| C/… 90 | Kunststoff / Aluminium | Verbund |
| C/… 91 | Kunststoff / Weißblech | Verbund |
| C/… 92 | Kunststoff / verschiedene Metalle | Verbund |
| C/… 95 | Glas / Kunststoff | Verbund |
| C/… 96 | Glas / Aluminium | Verbund |
| C/… 97 | Glas / Weißblech | Verbund |
| C/… 98 | Glas / verschiedene Metalle | Verbund |
Die Codes 7 bis 19 sind in der EU-Entscheidung nicht belegt. Das häufig zu sehende "O 7" oder "Other 7" stammt aus dem US-amerikanischen Resin-Code-System und ist kein offizieller Code nach 97/129/EG.
Die häufigsten Codes im Alltag
PAP 20 steht für Wellpappe, also typische Versand- und Umkartons. PAP 21 bezeichnet sonstige Pappe ohne Wellenstruktur, etwa Faltschachteln für Cerealien oder Kosmetik. PAP 22 steht für Papier, zum Beispiel Papiertüten.
C/PAP 81 ist ein Verbund aus Papier bzw. Pappe und Kunststoff, bei dem Papier überwiegt, etwa beschichtete Kaffeebecher oder Papierverpackungen mit Kunststofffolie. C/PAP 84 kombiniert Papier, Kunststoff und Aluminium und wird in der Praxis für Getränkekartons verwendet.
Bei Verbunden setzt sich der Code aus "C/" und der Abkürzung des überwiegenden Materials zusammen. Als Verbund gilt nach der Entscheidung eine Verpackung aus verschiedenen Materialien, die sich nicht von Hand trennen lassen.
Ist die Kennzeichnung Pflicht?
In der EU ist die Kennzeichnung freiwillig. Die Entscheidung 97/129/EG sieht ausdrücklich eine freiwillige Anwendung vor; eine verbindliche Einführung war möglich, wurde aber nie beschlossen EUR-Lex.
In Deutschland gilt dasselbe, mit einer wichtigen Einschränkung. Verpackungen können mit den festgelegten Nummern und Abkürzungen gekennzeichnet werden. Wer aber kennzeichnet, darf für dieselben Materialien keine anderen Nummern oder Abkürzungen verwenden. Seit 12. August 2026 steht diese Regel in § 4 des Verpackungsrecht-Durchführungsgesetzes (VerpackDG) mit Anlage 2; zuvor war es § 6 Verpackungsgesetz mit Anlage 5 § 4 VerpackDG.
Andere Länder sind strenger. Italien verlangt seit 2023 die Materialcodes auf allen Verpackungen, auch im B2B-Bereich Bird & Bird. Frankreich schreibt mit Triman und Info-tri eigene Trennhinweise vor. Mehr dazu in unserem Beitrag zum Triman-Logo.
Drei verbreitete Missverständnisse
| Symbol | Was viele glauben | Was es tatsächlich bedeutet |
|---|---|---|
| Möbiusschleife (drei Pfeile im Kreis) | Die Verpackung ist recycelbar | Ein allgemeines Recycling-Symbol ohne rechtliche Aussage über Recyclingfähigkeit oder tatsächliches Recycling |
| Zahl im Pfeildreieck | Ein Recycling-Versprechen | Ein Materialcode. Der US-Standard ASTM D7611 hat die Pfeile deshalb 2013 durch ein geschlossenes Dreieck ersetzt |
| Grüner Punkt | Die Verpackung wird recycelt | Eine Marke bzw. ein Lizenzzeichen. In Deutschland seit 2009 nicht mehr verpflichtend und keine Aussage zur Recyclingfähigkeit |
Quellen: Resin Identification Code, Verbraucherzentrale.
Daneben gibt es die Kurzzeichen nach ISO 1043 (etwa PE-HD statt HDPE), die vor allem für technische Kunststoffteile verwendet werden. Das sind drei verschiedene Systeme, die sich teilweise überschneiden.
Was sich mit der PPWR ändert
Die EU-Verpackungsverordnung ersetzt die freiwilligen Codes durch eine verpflichtende, harmonisierte Kennzeichnung der Materialzusammensetzung (Artikel 12 PPWR) PPWR Artikel 12:
- Inhalt: Informationen zur Materialzusammensetzung, um Verbrauchern das Trennen zu erleichtern.
- Form: piktogrammbasiert und leicht verständlich, auch für Menschen mit Behinderungen.
- Ab wann: ab 12. August 2028 oder 24 Monate nach Inkrafttreten des Durchführungsrechtsakts, je nachdem, was später ist.
- Ausnahmen: Transportverpackungen (außer E-Commerce-Verpackungen) und Verpackungen in Pfandsystemen.
- Abverkauf: Verpackungen, die vor dem Stichtag hergestellt oder eingeführt wurden, dürfen bis zu drei Jahre verkauft werden.
- Irreführende Zeichen sind verboten, wenn sie Verbraucher über die Informationen der harmonisierten Kennzeichnung täuschen oder verwirren könnten.
Die Entscheidung 97/129/EG wird mit Wirkung zum 12. August 2028 aufgehoben (Artikel 70 PPWR). Ihre Inhalte sollen in den Durchführungsrechtsakt zur harmonisierten Kennzeichnung einfließen. Dieser Rechtsakt war bis 12. August 2026 fällig, ist aber noch nicht erlassen; die Annahme ist für Ende 2026 geplant.
Grundlage der Arbeiten ist ein technischer Vorschlag der Gemeinsamen Forschungsstelle (JRC) vom Januar 2026, der Piktogramme mit Text und Farbe vorsieht prodlaw.eu. Verbindlich ist er nicht.
Ein weiterer Punkt betrifft Zeichen, die auf die Teilnahme an einem EPR-System hinweisen: Ab 12. Februar 2027 sind sie nach Artikel 12 Absatz 9 PPWR nur noch per QR-Code oder anderer digitaler Kennzeichnung zulässig. Ob und wie das den Grünen Punkt als eingetragene Marke betrifft, ist noch nicht abschließend geklärt.
Was die PPWR-Kennzeichnung insgesamt verlangt, einschließlich QR-Codes, erklären unsere Checkliste zu Artikel 12 PPWR und der Leitfaden zum PPWR-QR-Code.
Was Sie jetzt tun sollten
Verwenden Ihre Verpackungen nur offizielle Codes nach 97/129/EG bzw. Anlage 2 VerpackDG? Inoffizielle Abkürzungen sind in Deutschland unzulässig.
Die PPWR-Kennzeichnung setzt voraus, dass Sie für jede Komponente das Material kennen, auch bei Verbunden.
Bei C/-Codes entscheidet das überwiegende Material. Dokumentieren Sie die Gewichtsanteile.
Planen Sie Platz für die harmonisierte Kennzeichnung ein und vermeiden Sie Zeichen, die künftig als irreführend gelten könnten.
Für Italien und Frankreich gelten schon heute verpflichtende Kennzeichnungen.
Häufige Fragen
Was bedeutet PAP 20?
PAP 20 steht für Wellpappe, etwa Versand- und Umkartons.
Was ist der Unterschied zwischen PAP 20, PAP 21 und PAP 22?
PAP 20 ist Wellpappe, PAP 21 sonstige Pappe ohne Wellenstruktur (z. B. Faltschachteln), PAP 22 ist Papier.
Was bedeutet C/PAP 81?
Ein Verbund aus Papier bzw. Pappe und Kunststoff, bei dem Papier überwiegt, zum Beispiel beschichtete Pappbecher.
Muss ich Recyclingcodes auf meine Verpackungen drucken?
In Deutschland und der EU ist das bislang freiwillig. Wer kennzeichnet, darf in Deutschland aber nur die offiziellen Codes verwenden. Italien verlangt die Codes verpflichtend. Mit der PPWR wird eine harmonisierte Materialkennzeichnung frühestens ab August 2028 Pflicht.
Heißt die Möbiusschleife, dass die Verpackung recycelbar ist?
Nein. Sie ist ein allgemeines Recycling-Symbol ohne rechtlich verbindliche Aussage zur Recyclingfähigkeit.
Kennzeichnung beginnt bei den Daten
Ob freiwilliger Materialcode, italienische Umweltkennzeichnung oder künftige PPWR-Kennzeichnung: Jede Variante setzt voraus, dass die Materialzusammensetzung jeder Verpackung und jeder Komponente bekannt und dokumentiert ist. Genau hier fehlen in vielen Unternehmen belastbare Daten.
Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick zum Stand Oktober 2026 und stellt keine Rechtsberatung dar. Der Durchführungsrechtsakt zur harmonisierten Kennzeichnung nach Artikel 12 PPWR war bei Redaktionsschluss noch nicht erlassen.




