Ab dem 12. August 2026 dürfen Lebensmittelkontaktverpackungen mit PFAS oberhalb definierter Grenzwerte in der EU nicht mehr in Verkehr gebracht werden - und zwar ohne Bestandsschutz für bereits produzierte Ware. Für FMCG-Unternehmen mit hunderten oder tausenden Verpackungsartikeln ist das keine abstrakte Regulierung, sondern ein konkretes Marktzugangsrisiko.
Während bestehende Beiträge die regulatorischen Details des PFAS-Verbots und die erforderliche PFAS-Dokumentation für Audits behandeln, fokussiert dieser Artikel auf die strategische Ebene: Wie wechseln FMCG-Unternehmen von reaktiver zu proaktiver PFAS-Compliance - und welche Strukturen brauchen sie dafür?
Was sich regulatorisch geändert hat - und warum es eilig ist
Die PPWR (Verordnung (EU) 2025/40) ersetzt die bisherige EU-Verpackungsrichtlinie durch direkt geltendes Recht in allen 27 Mitgliedstaaten. Die EU-Kommission hat am 30. März 2026 offizielle Leitlinien und einen FAQ-Katalog zur PPWR veröffentlicht, die Behörden und Unternehmen als Auslegungshilfe dienen.
Für PFAS in Lebensmittelkontaktverpackungen gelten ab dem 12. August 2026 folgende Schwellenwerte:
| Parameter | Grenzwert | Hinweis |
|---|---|---|
| Einzelnes PFAS (gezielte Analyse) | ≤ 25 ppb | Ausgenommen polymere PFAS |
| Summe PFAS (gezielte Analyse) | ≤ 250 ppb | Ausgenommen polymere PFAS |
| Gesamtfluor (inkl. polymere PFAS) | ≤ 50 ppm (50 mg/kg) | Bei Überschreitung: Herkunftsnachweis erforderlich |
Zwei Punkte machen die Situation besonders dringlich:
- Kein Bestandsschutz: Verpackungen, die vor dem 12. August 2026 produziert wurden, dürfen nach dem Stichtag nicht mehr erstmals auf dem EU-Markt vertrieben werden, wenn sie die Grenzwerte überschreiten.
- Keine harmonisierte Prüfmethode: Aktuell existiert keine einheitliche EU-Prüfmethode für PFAS unter der PPWR. Die EU-Leitlinien empfehlen ein stufenweises Testverfahren1stufenweises Testverfahren (Gesamtfluor -> organisches Fluor -> gezielte Analyse).
Kein Bestandsschutz: Auch Verpackungen, die vor dem 12. August 2026 produziert wurden, dürfen nach diesem Stichtag nicht mehr in Verkehr gebracht werden, wenn sie die PFAS-Grenzwerte überschreiten. Planen Sie Ihre Lagerbestände entsprechend.
Parallel zur PPWR verschärfen sich die Anforderungen unter REACH: Bis Ende 2026 müssen EU-Kommission und ECHA einen Bericht über besorgniserregende Chemikalien in Verpackungen vorlegen, der weitere Beschränkungen nach sich ziehen kann.
Warum reaktive Compliance bei PFAS scheitert
Viele Unternehmen gehen PFAS-Risiken noch punktuell an: Ein Verdacht entsteht, eine Ad-hoc-Anfrage geht an den Lieferanten, die Antwort landet in einem Ordner. Dieser Ansatz hat drei fundamentale Schwächen:
- Skalierbarkeit: Bei Portfolios mit 1.000+ Verpackungsartikeln ist manuelle Einzelprüfung weder zeitlich noch wirtschaftlich machbar.
- Lückenhafte Datenbasis: Typischerweise fehlen 30-70 % der relevanten Verpackungsdaten, wenn diese erstmals systematisch erhoben werden. Ohne vollständige Materialstruktur pro SKU bleiben PFAS-Risiken unsichtbar.
- Fehlende Audit-Fähigkeit: Verstreute Lieferantenerklärungen, unverknüpfte Testergebnisse und fehlendes Change-Tracking machen eine auditfeste Dokumentation praktisch unmöglich.
Die meisten Lebensmittelbetriebe benötigen vier bis neun Monate, um auf einen PFAS-konformen Lieferanten umzusteigen - von der Testphase über Artworkanpassung bis zur Lagerbereinigung.
Wer heute noch keine strukturierte Risikoanalyse begonnen hat, arbeitet bereits gegen die Zeit.
Fünf Schritte zur proaktiven PFAS-Compliance-Strategie
Der Weg von reaktiver zu proaktiver Compliance folgt einer klaren Logik: Transparenz schaffen -> Risiken priorisieren -> Daten erheben -> Testen -> Kontinuierlich überwachen.
Identifizieren Sie alle Lebensmittelkontaktverpackungen in Ihrem Portfolio. Erstellen Sie eine erweiterte Materialliste mit Beschichtungen, Klebstoffen und Barriereschichten pro SKU.
Klassifizieren Sie Verpackungen nach Risikostufe: fettabweisende Papiere, beschichtete Kartons und laminierte Mehrschichtsysteme erhalten die höchste Priorität.
Fordern Sie von jedem Lieferanten explizite PFAS-Erklärungen mit Bezug auf die PPWR-Grenzwerte an - versioniert, datiert und mit Zuordnung zu konkreten Materialien.
Testen Sie Hochrisiko-Formate im Labor (3-stufiges Verfahren: Gesamtfluor -> organisches Fluor -> gezielte PFAS-Analyse). Nur identifizierte Risikoverpackungen werden getestet.
Implementieren Sie ein laufendes Monitoring für Formulierungsänderungen, neue Lieferanten und regulatorische Updates. Verknüpfen Sie PFAS-Daten mit Ihrer Konformitätserklärung (DoC).
Der entscheidende Unterschied zur Ad-hoc-Prüfung: Sie testen nicht flächendeckend, sondern risikobasiert. Nur identifizierte Hochrisiko-Formate (fettabweisende Papiere, beschichtete Kartons, laminierte Mehrschichtverpackungen) durchlaufen das Laborverfahren. So bleibt die Strategie kosteneffizient und über große Portfolios skalierbar.
Reaktiv vs. proaktiv: Was den Unterschied macht
Der Wechsel zu proaktiver Compliance ist kein reines IT-Projekt - es ist eine strategische Entscheidung, die Einkauf, Verpackungstechnik und Qualitätssicherung gleichermaßen betrifft.
| Kriterium | Reaktive Compliance | Proaktive Compliance |
|---|---|---|
| Datengrundlage | Verstreut in Excel, E-Mails, PDFs | Zentral digitalisiert und strukturiert |
| Lieferantenkommunikation | Ad-hoc-Anfragen bei Bedarf | Systematische, versionierte Abfragen |
| PFAS-Risikoanalyse | Erst bei konkretem Verdacht | Präventiv über gesamtes Portfolio |
| Reaktionszeit bei Regulierungsänderung | Wochen bis Monate | Automatisierte Alerts, sofortige Auswertung |
| Audit-Fähigkeit | Mühsame manuelle Zusammenstellung | Jederzeit abrufbare, auditfeste Dokumentation |
| Kosten | Hohe Nacharbeitskosten, Bußgeldrisiko | Planbare Investition, minimiertes Risiko |
Warum digitales Verpackungsmanagement jetzt entscheidend wird
Die PFAS-Compliance zeigt exemplarisch, warum Excel-basiertes Verpackungsmanagement an seine Grenzen stößt. Wenn Materialstruktur, Lieferantenerklärungen, Testergebnisse, Compliance-Status und Change-Tracking über verschiedene Systeme verteilt sind, fehlt die durchgängige Nachweiskette.
Eine zentrale Verpackungsmanagement-Plattform verknüpft PFAS-Daten direkt mit der Konformitätserklärung (DoC) und den Verpackungsspezifikationen. So entsteht ein lückenloses Compliance-Dossier pro Verpackungsartikel - jederzeit audit-bereit.
Konkret unterstützt die Packa-Software FMCG-Unternehmen dabei:
- Verpackungsspezifikationen zentral zu digitalisieren und Materiallisten inkl. Beschichtungen, Klebstoffen und Barriereschichten vollständig zu erfassen
- Lieferantenkommunikation zu automatisieren - strukturierte PFAS-Abfragen versioniert und nachvollziehbar an alle relevanten Lieferanten senden
- Compliance-Status in Echtzeit über das gesamte Portfolio abzubilden und mit PPWR-Konformitätserklärungen zu verknüpfen
- Datenlücken automatisch zu identifizieren, sodass fehlende PFAS-Nachweise sofort sichtbar werden
Prüfen Sie Ihre PFAS-Readiness
Wie gut ist Ihr Unternehmen auf das PFAS-Verbot vorbereitet? Nutzen Sie den interaktiven Schnellcheck, um offene Handlungsfelder zu identifizieren:
Handlungsempfehlungen für die nächsten Wochen
Der 12. August 2026 rückt näher. Drei konkrete Schritte, die Sie jetzt priorisieren sollten:
- Portfolio-Screening starten: Identifizieren Sie alle Lebensmittelkontaktverpackungen und ordnen Sie Risikoklassen zu. Beginnen Sie mit beschichteten Papier- und Kartonverpackungen.
- Lieferanten aktivieren: Versenden Sie standardisierte PFAS-Erklärungsvorlagen an Ihre Verpackungslieferanten - mit klarem Bezug auf die PPWR-Grenzwerte und konkreter Frist.
- Compliance-Infrastruktur aufbauen: Prüfen Sie, ob Ihre aktuelle Datenhaltung (häufig Excel) einer PPWR-Audit-Prüfung standhält. Falls nicht, investieren Sie jetzt in eine digitale Lösung, die PFAS-Tracking, DoC-Management und Lieferantenkommunikation integriert.
Nutzen Sie die kostenlose PPWR-Checkliste, um Ihren aktuellen Compliance-Status strukturiert zu erfassen. Und informieren Sie sich in unseren kostenlosen Verpackungs-Webinaren über die neuesten regulatorischen Entwicklungen.


