Ab dem 12. August 2026 dürfen Lebensmittelkontaktverpackungen mit PFAS oberhalb definierter Grenzwerte nicht mehr in der EU in Verkehr gebracht werden. Für Unternehmen mit mehreren hundert oder tausend Verpackungsartikeln stellt sich eine entscheidende Frage: Wie prüfen Sie Ihr Portfolio effizient auf Chemikalien-Compliance - manuell oder automatisiert?
Die Antwort beeinflusst nicht nur den Zeitaufwand, sondern auch Fehlerquote, Laborkosten und Audit-Sicherheit. Dieser Artikel vergleicht beide Ansätze und zeigt, wann sich der Umstieg auf automatisierte Prüfungen lohnt.
Ab dem 12. August 2026 dürfen Lebensmittelkontaktverpackungen mit PFAS oberhalb der PPWR-Grenzwerte (25 ppb einzeln, 250 ppb Summe, 50 ppm Gesamtfluor) nicht mehr in der EU in Verkehr gebracht werden. Unternehmen, die ihre Verpackungen noch nicht systematisch gescreent haben, riskieren Bußgelder und Marktausschlüsse.
Warum Chemikalien-Screening 2026 zum Pflichtprogramm wird
Die EU-Verpackungsverordnung (PPWR) verschärft die Anforderungen an die chemische Sicherheit von Verpackungen deutlich. Die PPWR definiert drei Schwellenwerte für PFAS in Lebensmittelkontaktverpackungen: 25 ppb für einzelne PFAS-Verbindungen, 250 ppb für die Summe gezielter Analysen und 50 ppm für Gesamtfluor. Diese Werte basieren auf Artikel 5 der Verordnung1Artikel 5 der Verordnung, der eine Minimierung bedenklicher Substanzen über den gesamten Lebenszyklus von Verpackungen fordert.
Besonders kritisch: Wenn die Gesamtfluorkonzentration 50 ppm überschreitet, verschiebt sich die Beweislast auf den Hersteller oder Lieferanten. Dieser muss dann nachweisen, dass das Fluor nicht von regulierten PFAS-Verbindungen stammt. Ohne strukturiertes Screening riskieren Sie nicht nur Bußgelder, sondern auch eine umgekehrte Dokumentationspflicht.
Neben PFAS betrifft das Thema auch Migrationstests, die Prüfung auf NIAS (Non-Intentionally Added Substances) und weitere Substanzen - ein komplexes Feld, das systematische Prozesse erfordert. Wer sich über die regulatorischen Grundlagen informieren möchte, findet in unserem Beitrag PFAS in Verpackungen: Was Unternehmen bis 2026 beachten müssen eine umfassende Einordnung.
Manuelles Chemikalien-Screening: Der klassische Weg
Beim manuellen Ansatz prüfen Fachkräfte jede Verpackung einzeln gegen regulatorische Vorgaben. Typisch sieht das so aus:
- Recherche: Mitarbeitende gleichen Materialspezifikationen gegen aktuelle Grenzwerte ab - oft anhand von Excel-Listen und PDF-Datenblättern.
- Lieferantenanfragen: Per E-Mail fordern Sie Materialdaten, Konformitätserklärungen und Testergebnisse an - mit unklaren Fristen und manueller Nachverfolgung.
- Dokumentation: Ergebnisse landen in lokalen Ordnern oder Tabellenkalkulationen - ohne einheitliche Struktur oder Versionskontrolle.
- Labortests: Ohne Vorselektion testen Sie entweder zu viele oder zu wenige Verpackungen.
Wo der manuelle Ansatz an Grenzen stößt
Für kleine Portfolios mit weniger als 50 SKUs kann manuelles Screening funktionieren. Bei größeren FMCG-Portfolios zeigt sich jedoch schnell: Manuelle Compliance-Ansätze skalieren nicht, wenn Portfolios tausende SKUs umfassen und globale Lieferketten involviert sind. Hinzu kommt, dass PFAS-Analysen ein mehrstufiges Vorgehen erfordern2mehrstufiges Vorgehen erfordern - vom Gesamtfluor-Screening bis zur gezielten Analyse von bis zu 165 PFAS-Verbindungen. Dieses Vorgehen manuell zu koordinieren, bindet erhebliche Ressourcen.
Automatisiertes Screening: Datenbasiert und skalierbar
Automatisierte Chemikalien-Prüfungen setzen auf strukturierte Daten und regelbasierte Prüflogik. Statt jedes Material einzeln zu recherchieren, erfasst eine digitale Plattform Verpackungsdaten zentral und gleicht sie automatisch gegen regulatorische Anforderungen ab.
Die Vorteile zeigen sich in mehreren Dimensionen:
- Risikobasierte Priorisierung: Das System identifiziert automatisch Hochrisiko-Materialien (z. B. fettresistente Papiere, beschichtete Kartonagen) und fokussiert das Screening gezielt darauf.
- Automatisierte Grenzwertprüfung: Alle drei PPWR-Schwellenwerte werden gleichzeitig geprüft - ohne manuellen Abgleich.
- Effiziente Lieferantensteuerung: Digitale Formulare ersetzen E-Mail-Korrespondenz; automatische Erinnerungen sorgen für zuverlässigen Rücklauf.
- Auditfähige Dokumentation: Jeder Prüfschritt ist nachvollziehbar dokumentiert und jederzeit abrufbar.
Wie ein datenbasierter Compliance-Workflow konkret aussehen kann, beschreiben wir im Artikel PFAS-Compliance im Verpackungsmanagement: Welche Dokumentation Sie 2026 brauchen.
Der direkte Vergleich: Manuell vs. Automatisiert
| Kriterium | Manuelles Screening | Automatisiertes Screening |
|---|---|---|
| Zeitaufwand pro SKU | 30-60 Minuten (Recherche, Abgleich, Dokumentation) | 2-5 Minuten (automatisierter Datenabgleich) |
| Skalierbarkeit | Begrenzt - max. 50-100 SKUs/Woche realistisch | Hoch - 1.000+ SKUs in wenigen Stunden |
| Fehlerquote | Hoch - manuelle Dateneingabe und -interpretation | Niedrig - regelbasierte Prüflogik |
| PFAS-Grenzwertprüfung | Einzeln gegen Grenzwerte abgleichen (25 ppb, 250 ppb, 50 ppm) | Automatischer Abgleich aller drei PPWR-Schwellenwerte |
| Dokumentation | Excel, E-Mail-Ablage, lokale Ordner | Zentral, versioniert, auditfähig |
| Lieferantendaten-Erfassung | E-Mail-Korrespondenz, manuelle Nachverfolgung | Digitale Formulare, automatische Erinnerungen |
| Audit-Readiness | Aufwendige Zusammenstellung bei Bedarf | Jederzeit abrufbare Reports |
| Regulatorische Updates | Eigenständiges Monitoring nötig | Integrierte Aktualisierung der Prüflogik |
In 5 Schritten zum effizienten Chemikalien-Screening
Unabhängig vom aktuellen Reifegrad Ihres Unternehmens empfehlen wir einen strukturierten Ansatz, der manuelle und automatisierte Elemente sinnvoll kombiniert:
Identifizieren Sie Verpackungen mit hohem PFAS-Risiko: fettresistente Papiere, beschichtete Kartonagen, laminierte Folien und Verpackungen mit funktionalen Barrieren. Priorisieren Sie diese für das Screening.
Fordern Sie von Ihren Lieferanten standardisierte Materialdaten an - nicht nur generische Zertifikate, sondern detaillierte Angaben zu Beschichtungen, Klebstoffen und Additiven. Digitale Formulare beschleunigen diesen Prozess erheblich.
Gleichen Sie die erfassten Daten automatisch gegen die drei PPWR-Schwellenwerte ab (25 ppb einzeln, 250 ppb Summe, 50 ppm Gesamtfluor). Nur Artikel mit erhöhtem Risiko gehen ins Labor.
Setzen Sie Laboranalysen (z. B. CIC-Screening, LC-MS/MS) gezielt für Hochrisiko-Materialien ein. Durch die Vorselektion reduzieren Sie Testkosten um bis zu 60-80 %.
Halten Sie Compliance-Status, Testergebnisse und Lieferantenzertifikate zentral und versioniert vor - jederzeit auditbereit und bei regulatorischen Änderungen schnell aktualisierbar.
Besonders bei den Schritten 1 bis 3 sparen Sie durch Automatisierung erheblich Zeit. Digitales Verpackungsmanagement zentralisiert die Datenbasis und schafft die Voraussetzung, Labortests gezielt und kosteneffizient einzusetzen.
Welcher Ansatz passt zu Ihrem Unternehmen?
Nutzen Sie unser interaktives Tool für eine erste Einschätzung: Reicht manuelles Screening für Ihr Portfolio aus - oder ist ein automatisierter Ansatz sinnvoller?
Praxisbeispiel: Wie Vorselektion Testkosten senkt
Ein typisches FMCG-Unternehmen mit 2.000 Verpackungsartikeln und 80 Lieferanten müsste bei einem rein labortestbasierten Ansatz erhebliche Budgets einplanen. Laboranalysen für PFAS kosten zwischen 300 und 800 USD pro Probe bei umfassender Analyse.
Durch eine risikobasierte Vorselektion mit automatisierten Daten-Checks reduzieren Sie die Zahl der tatsächlich benötigten Labortests drastisch:
- Ohne Vorselektion: Alle 2.000 Artikel testen -> Kosten: 600.000-1.600.000 USD
- Mit risikobasierter Vorselektion: Nur ~200-400 Hochrisiko-Artikel testen -> Kosten: 60.000-320.000 USD
Die Ersparnis entsteht nicht durch weniger Sicherheit, sondern durch intelligentere Priorisierung. Eine strukturierte PFAS-Risikoklassifikation auf Materialebene ermöglicht eine proportionale Priorisierung des Screening-Aufwands.
Fazit: Automatisierung ist kein Luxus - sondern Risikomanagement
Die Frage ist nicht ob, sondern wann Sie Ihre Chemikalien-Prüfungen automatisieren. Mit der PPWR-Deadline im August 2026 und der zunehmenden Komplexität regulatorischer Anforderungen - von PFAS über BPA bis zu weiteren Substanzen, die ab Dezember 2026 berichtspflichtig werden1Artikel 5 der Verordnung - reichen manuelle Prozesse für die meisten FMCG-Portfolios nicht mehr aus.
Ihre nächsten Schritte:
- Prüfen Sie, welche Ihrer Verpackungen Lebensmittelkontakt haben und in Hochrisiko-Materialklassen fallen.
- Fordern Sie strukturierte Materialdaten von Ihren Lieferanten an - digital, nicht per E-Mail.
- Evaluieren Sie, ob Ihre aktuelle Dokumentation einer Auditprüfung standhält.
- Informieren Sie sich in unseren kostenlosen Verpackungs-Webinaren über Best Practices im Chemikalien-Compliance-Management.
Wer sich vertiefend mit KI-gestütztem Verpackungsmanagement im Vergleich zu traditionellen Ansätzen befassen möchte, findet in unserem Beitrag KI-basiertes Verpackungsmanagement: Automatisierung vs. traditionelle Ansätze eine umfassende Analyse.
Häufig gestellte Fragen
Was genau ist Chemikalien-Screening bei Verpackungen?
Chemikalien-Screening bezeichnet die systematische Prüfung von Verpackungsmaterialien auf regulierte Substanzen wie PFAS, Schwermetalle oder migrationsfähige Stoffe. Es umfasst sowohl datenbasierte Risikobewertungen als auch Labortests (z. B. Migrationstests, Fluoranalysen).
Welche PFAS-Grenzwerte gelten ab August 2026 für Lebensmittelverpackungen?
Die PPWR definiert drei Schwellenwerte: 25 ppb für einzelne PFAS-Verbindungen, 250 ppb für die Summe gezielter PFAS-Analysen und 50 ppm für Gesamtfluor (inkl. polymerer PFAS). Wird der 50-ppm-Wert überschritten, trägt der Hersteller die Beweislast.
Reicht manuelles Screening für kleine Portfolios aus?
Für Unternehmen mit wenigen Verpackungsartikeln (<50 SKUs) kann ein manueller Ansatz mit strukturierter Dokumentation funktionieren. Ab 100+ SKUs wird der Aufwand jedoch schnell unpraktikabel - insbesondere wenn mehrere Lieferanten und Materialklassen involviert sind.
Wie reduziert automatisiertes Screening die Laborkosten?
Durch risikobasierte Vorselektion identifiziert das automatisierte System nur Hochrisiko-Materialien für Labortests. Statt jede Verpackung teuer testen zu lassen, konzentrieren Sie Laborbudget auf die relevanten Artikel - das spart typischerweise 60-80 % der Testkosten.
Wie unterstützt die Packa-Software beim Chemikalien-Screening?
Packa zentralisiert alle Verpackungsdaten, automatisiert die Compliance-Prüfung gegen PPWR-Grenzwerte, steuert die Lieferantenkommunikation digital und stellt jederzeit auditfähige Dokumentation bereit. Die Plattform identifiziert Datenlücken und priorisiert Risiko-Artikel für gezielte Labortests.


