
Kurzfassung: Vage Aussagen wie „umweltfreundliche Verpackung“, „CO₂-neutral“ oder „nachhaltig verpackt“ werden in der EU künftig nur noch zulässig sein, wenn sie eindeutig, nachprüfbar und datenbasiert belegt sind. Auch wenn die Green Claims Directive politisch ins Stocken geraten ist, verschärfen bestehende Regelwerke wie die EmpCo-Richtlinie und die EU-Verpackungsverordnung (PPWR) den Druck auf Unternehmen massiv. Für Sie bedeutet das: Ohne audit-sichere Verpackungsdaten und belastbare Nachweise steigt Ihr Greenwashing-Risiko – inklusive Bußgeldern, Vertriebsstopps und Reputationsschäden.
In diesem Beitrag zeigen wir, was hinter der Green Claims Directive steckt, warum „Nachhaltige Verpackung Compliance“ jetzt Chefsache ist und wie Sie mit digitalem Verpackungsmanagement Green Claims rechtssicher untermauern.
1. Green Claims Directive – was geplant war und was jetzt gilt
Die EU-Kommission hat 2023 einen Richtlinienentwurf zu sogenannten Green Claims vorgelegt. Ziel: Freiwillige Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen von Unternehmen sollten vergleichbar, verlässlich und überprüfbar werden. Hintergrund waren Studien, nach denen über die Hälfte der „grünen“ Aussagen vage oder unbelegt sind und viele Labels kaum kontrolliert werden.
Kernideen der Green Claims Directive waren u. a.:
Mindestanforderungen an Begründung und Kommunikation von Umweltbehauptungen
Pflicht, Aussagen mit wissenschaftlicher Evidenz und Lebenszyklus-Betrachtung zu untermauern
Vorabprüfung („ex-ante verification“) durch unabhängige, akkreditierte Stellen
Strengere Regeln für Umweltlabels (staatlich und privat)
Politisch ist der Prozess jedoch ins Stocken geraten: Im Juni 2025 hat die EU-Kommission angekündigt, den Vorschlag zurückzuziehen, falls bestimmte Ausweitungen (u. a. auf zahlreiche Kleinstunternehmen) nicht zurückgenommen werden. Die Verhandlungen wurden daraufhin ausgesetzt; eine Verabschiedung der Green Claims Directive ist derzeit ungewiss.
Wichtig: Das bedeutet kein Zurückdrehen beim Schutz vor Greenwashing. Die bereits verabschiedete „Empowering Consumers for the Green Transition“-Richtlinie (EmpCo, Richtlinie (EU) 2024/825) stärkt den Verbraucherschutz mit klaren Verboten irreführender Umweltversprechen und gilt ab dem 27.09.2026.
Für Ihre Green Claims rund um Verpackungen sind die Anforderungen damit faktisch ähnlich hoch – auch ohne formell verabschiedete Green Claims Directive.
2. Kein Freifahrtschein: Warum Greenwashing-Risiken trotzdem steigen
Selbst ohne Green Claims Directive verschärft sich der Rechtsrahmen deutlich:
Die EmpCo-Richtlinie ändert die Richtlinie über unlautere Geschäftspraktiken und die Verbraucherrechte-Richtlinie. Zukünftig werden u. a. bestimmte irreführende Umweltclaims ausdrücklich verboten, etwa pauschale „klimaneutral“-Werbung ohne belastbare Nachweise oder Kompensationsstrategien.
Nationale Behörden und Verbraucherschutzverbände erhalten einen klareren Prüfmaßstab – und nutzen ihn zunehmend aktiv. Parallel wächst der Druck durch NGOs und Sammelklagen.
Wer für Nachhaltige Verpackung Compliance zuständig ist, gerät damit in den Fokus: Jede Verpackungsaussage, jeder Onlineshop-Text und jedes Label kann rechtlich angegriffen werden, wenn die Belege fehlen.
Auch außerhalb der EU häufen sich Verbote von Werbekampagnen wegen unzureichend belegter Umweltversprechen – ein deutlicher Hinweis darauf, wohin sich die Praxis bewegt.
Fazit: Green Claims sind längst kein rein kommunikatives Thema mehr, sondern ein Compliance-Risiko, das direkt an Ihr Verpackungsdatenmanagement gekoppelt ist.
3. Speziell für Verpackungen: Wo Green Claims besonders heikel sind
Im Verpackungskontext sind Umweltversprechen allgegenwärtig. Typische Risikofälle, die wir in Projekten und im Webinar „Von Green Claims bis PPWR: Wie Sie Verpackungs-Compliance strukturiert und digital meistern“ sehen:
„100 % recycelbar“ – obwohl es weder eine anerkannte Recyclingfähigkeitsbewertung noch eine Betrachtung der Sortier- und Verwertungsrealität im Zielmarkt gibt.
„Nachhaltige Verpackung“ – ohne klare Definition, auf welche Kennzahlen (Rezyklatanteil, CO₂-Fußabdruck, Materialreduktion etc.) sich das bezieht.
„Plastikfrei“ – obwohl in Etiketten, Barrierschichten oder Klebstoffen weiterhin Kunststoffe enthalten sind.
„CO₂-neutral verpackt“ – wenn lediglich Zertifikate eingekauft wurden, aber weder Bilanzierungsgrundlagen noch Kompensationsprojekte transparent dokumentiert sind.
Die Green-Claims-Diskussion und die EmpCo-Richtlinie zielen genau auf solche Fälle ab: Generische, pauschale Begriffe ohne klare, geprüfte Datengrundlage werden künftig kaum haltbar sein.
Für Verantwortliche in Einkauf, Verpackungstechnik, Nachhaltigkeit und Qualität bedeutet das:
Ohne strukturierte Verpackungsdaten, dokumentierte Methoden und zentral verfügbare Nachweise ist jede „Öko“-Aussage ein potenzielles Haftungsrisiko.
4. Was Green Claims künftig mindestens leisten müssen
Auch wenn Details je nach finaler Ausgestaltung variieren können, zeichnet sich ein Set von Kernanforderungen ab, an dem sich Unternehmen heute schon orientieren sollten:
Wissenschaftliche Fundierung
Green Claims müssen auf anerkannten wissenschaftlichen Methoden beruhen (z. B. Ökobilanzen, Recyclingfähigkeitsbewertungen nach etablierten Leitfäden).
Die betrachteten Umweltauswirkungen (Ressourcen, Klimawirkung, Abfall, Recycling etc.) müssen klar benannt sein.
Lebenszyklus- und Systemperspektive
- Aussagen dürfen nicht nur auf einen Teilaspekt (z. B. nur Materialart) fokussieren, wenn andere Lebenszyklusphasen die Umweltbilanz verschlechtern.
Transparenz & Nachvollziehbarkeit
Methodik, Datenquellen, Annahmen und Systemgrenzen müssen dokumentiert und für Behörden zugänglich sein.
Verbraucher:innen sollen zumindest in vereinfachter Form verstehen können, worauf sich der Claim stützt.
Vorabprüfung & Zertifikate
Viele Entwürfe sehen eine externe Verifizierung vor, bevor ein Umweltclaim genutzt werden darf.
Umweltlabels müssen von unabhängigen Stellen getragen oder anerkannt sein; reine Eigenlabels ohne robuste Governance geraten unter Druck.
Aktualität & Review-Zyklen
- Daten und Aussagen müssen regelmäßig überprüft und aktualisiert werden (z. B. alle fünf Jahre oder bei Material- bzw. Prozessänderungen).
Genau an diesen Punkten scheitern viele Unternehmen heute nicht aus bösem Willen, sondern wegen Datenlücken, Excel-Chaos und fehlender Zuständigkeiten – zentrale Themen des genannten Packa-Webinars.
5. Learnings aus dem Packa-Webinar: Audit-sichere Dokumentation statt Greenwashing-Falle
Im Webinar „Von Green Claims bis PPWR: Wie Sie Verpackungs-Compliance strukturiert und digital meistern“ standen drei Herausforderungen im Mittelpunkt:
Steigende regulatorische Anforderungen durch PPWR, Green Claims und Digitalen Produktpass
Typische Risiken: fehlende Nachweise, Dokumentenchaos, Compliance-Lücken
Digitale Tools als Enabler für effiziente, audit-sichere Verpackungsprozesse
Aus Sicht von Packa sind für „Nachhaltige Verpackung Compliance“ vor allem folgende Prinzipien entscheidend:
Alle Verpackungsdaten an einem Ort
Zentrale Plattform statt verstreuter Excel-Dateien, PDF-Spezifikationen und E-Mail-Historien
Einheitliche Datenstruktur für Materialien, Schichtaufbauten, Gewichte, Additive, Rezyklatanteile, Zertifikate etc.
Klare Verantwortlichkeiten & Workflows
Wer pflegt welche Daten? Wer gibt Claims final frei?
Digitale Freigabeprozesse reduzieren das Risiko „unkontrollierter“ Umweltversprechen in Marketing oder Vertrieb.
Audit-sichere Historie
Jede Änderung an Spezifikationen und Claims sollte versionssicher nachvollziehbar sein.
So können Sie bei Rückfragen von Behörden oder Kunden lückenlos nachweisen, auf welcher Datengrundlage eine Aussage getroffen wurde.
Automatisierte Compliance-Checks
- Eine Compliance-Engine kann Verpackungen automatisiert gegen PPWR-Vorgaben und interne Green-Claims-Kriterien prüfen und auf Risiken hinweisen.
Datenlücken aktiv schließen
- KI-gestützte Digitalisierung hilft, fehlende Datenpunkte zu identifizieren und strukturiert bei Lieferanten einzufordern – statt punktuell „hinterherzutelefonieren“.
6. Fünf praxisnahe Schritte, um Ihre Verpackungs-Green-Claims abzusichern
Wenn Sie Ihre aktuellen und künftigen Green Claims rund um Verpackungen auf ein solides Fundament stellen wollen, empfehlen sich folgende Schritte:
Bestandsaufnahme Ihrer Claims
Listen Sie alle Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen zu Verpackungen auf (Verpackung, Produkt, Website, Kataloge, Marktplätze).
Ordnen Sie diese nach Risiko: pauschale Begriffe („nachhaltig“, „umweltfreundlich“) sind besonders kritisch.
Daten-Mapping je Claim
Welche konkreten Verpackungsdaten und Nachweise stützen den Claim?
Wo fehlen Daten (z. B. genaue Materialzusammensetzung, Recyclingfähigkeit im Zielmarkt, CO₂-Daten)?
Methodik definieren und dokumentieren
Legen Sie unternehmensweit fest, nach welchen Standards und Methoden Sie z. B. Recyclingfähigkeit oder CO₂-Fußabdrücke bewerten.
Dokumentieren Sie diese Methodik zentral und stellen Sie sie internen Stakeholdern bereit.


